Arteriovenöse Malformationen

Eine arteriovenöse Malformation, kurz AVM, ist eine anlagebedingte Fehlbildung des Gefäßsystems. Häufig sind dabei die Gefäße des zentralen Nervensystems oder auch des Gesichtsschädels betroffen. Vereinfacht ausgedrückt münden bei einer AVM arterielle Gefäße direkt in das venöse Gefäßsystem ein, ohne dass Widerstandsgefäße in Form von Kapillaren zwischengeschaltet sind.

Dadurch geht dem Gehirn in der Umgebung der AVM einerseits Blut für die Sauerstoffversorgung verloren, andererseits kann es durch den Druckanstieg in den Venen, deren Wand weniger widerstandsfähig ist und die zur Bewältigung des Blutvolumens oft drastisch an Kaliber zunehmen, zu einer möglicherweise bedrohlichen Hirnblutung kommen.

Wie wird eine AVM diagnostiziert?

Erstes Symptom einer AVM ist neben einer Hirnblutung oft ein Anfallsleiden, wobei die Krampfanfälle in Art und Intensität maßgeblich von der Lokalisation der AVM abhängig sind. Nicht immer tritt ein großer Krampfanfall auf, sondern es kann auch zu sehr milden Symptomen z.B. in Form von episodisch wiederkehrenden Missempfindungen kommen. Die verursachende Gefäßmissbildung selbst zeigt sich dann in der zur Ursachenabklärung des Anfallsleidens angefertigten Bildgebung, üblicherweise CT oder MRT. Ist es primär zu einer Blutung aus der AVM gekommen, so reicht das Spektrum der Symptome von Kopfschmerzen über neurologische Defizite wie Lähmungen bis hin zur Bewusstlosigkeit. Nachfolgend sollte eine Katheter-Angiographie zur genauen Beurteilung und Therapieplanung durchgeführt werden.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Grundsätzlich stehen zur Behandlung drei verschiedene Verfahren zur Verfügung: Die endovaskuläre Embolisationsbehandlung, eine neurochirurgische Operation und eine Bestrahlungsbehandlung. Sehr häufig kommt eine Kombination dieser Verfahren zur Anwendung. Nicht selten ist jedoch ein konservatives Vorgehen ohne invasive Behandlung sinnvoll.

Bei der endovaskulären AVM-Behandlung werden die zuführenden Hirnarterien von der Leiste oder vom Arm aus mit einem sehr feinen Mikrokatheter selektiv sondiert. Gelingt dies, so kann die Gefäßmissbildung mit einem flüssigen Embolisat (Gewebeklebstoff) aus der Zirkulation ausgeschaltet oder der arterielle Zufluss soweit reduziert werden, dass z.B. eine nachgeschaltete Operation möglichst risikoarm durchgeführt werden kann. In geeigneten Fällen erreicht man jedoch eine vollständige Ausschaltung der AVM allein über die Gefäße. Je nach Größe der Gefäßmissbildung und Anzahl der zuführenden Gefäße sind hierfür zuweilen mehrere Behandlungsschritte notwendig.

Die Operation mit Eröffnung des knöchernen Schädels und vollständiger Entfernung der AVM erfolgt üblicherweise, nachdem diese auf endovaskulärem Wege soweit wie sinnvoll möglich ausgeschaltet wurde, insbesondere um das operative Risiko einer Blutung zu minimieren. In der Kombination der Verfahren führt dies zu einer kompletten Ausschaltung des Blutungsrisikos bei über 90 Prozent der Patienten.

Weitere Informationen für Betroffene

Wenn bei Ihnen eine AVM diagnostiziert wurde, so bieten wir Ihnen an, sich anhand der vorliegenden Unterlagen in einem persönlichen Gespräch über Chancen und Risiken der Behandlung in unserer Gefäßsprechstunde zu informieren.

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